🚴 Trainingsgrundlagen
Die Trainingsgrundlagen bilden das Fundament für erfolgreiche Radfahrer auf allen Leistungsebenen. Ob Einsteiger oder Profi – wer die wissenschaftlichen Prinzipien des Trainings versteht und konsequent anwendet, kann seine Leistung systematisch steigern und gleichzeitig Überlastung vermeiden.
Grundprinzipien des Trainings
Superkompensation
Das Prinzip der Superkompensation ist die Basis jedes effektiven Trainings. Nach einem Trainingsreiz sinkt das Leistungsniveau zunächst ab (Ermüdung), steigt dann durch Regeneration über das Ausgangsniveau hinaus (Superkompensation) und fällt ohne erneuten Trainingsreiz wieder auf das Ursprungsniveau zurück.
- Zu früh: Noch nicht vollständig erholt, Übertraining droht
- Optimal: In der Superkompensationsphase, maximaler Trainingseffekt
- Zu spät: Leistungsniveau bereits wieder gesunken
Trainingsprinzipien
- Prinzip der progressiven Belastung - Schrittweise Steigerung von Umfang und Intensität
- Prinzip der Variation - Abwechslung in Trainingsreizen verhindert Stagnation
- Prinzip der Kontinuität - Regelmäßiges Training ist entscheidend für Fortschritte
- Prinzip der Individualität - Jeder Athlet benötigt angepasste Trainingsbelastung
- Prinzip der Spezifität - Training muss auf die Zieldisziplin ausgerichtet sein
Trainingsintensität und Herzfrequenzzonen
Die korrekte Trainingsintensität ist entscheidend für den Trainingserfolg. Moderne Trainingssteuerung arbeitet mit verschiedenen Intensitätszonen, die sich an Herzfrequenz, Watt oder Laktatwerten orientieren.
Die fünf Herzfrequenzzonen
Bestimmung der Trainingszonen
Maximale Herzfrequenz ermitteln:
- Leistungsdiagnostik (genaueste Methode)
- Feldtest: 5-minütiger Maximaltest am Berg
- Faustformel: 220 minus Lebensalter (sehr ungenau)
Trainingsplanung und Periodisierung
Erfolgreiche Radfahrer arbeiten mit strukturierter Trainingsplanung über das gesamte Jahr. Die Periodisierung teilt das Trainingsjahr in verschiedene Phasen mit unterschiedlichen Zielsetzungen.
Klassische Periodisierung
Trainingsumfang pro Woche
Trainingsaufbau im Wochenzyklus
Beispielwoche für ambitionierte Hobbysportler:
- Montag: Ruhetag oder lockere Regenerationsfahrt (60 Min, Zone 1)
- Dienstag: Grundlagentraining (90 Min, Zone 2)
- Mittwoch: Intervalltraining (75 Min mit 5x5 Min in Zone 4)
- Donnerstag: Ruhetag oder Krafttraining
- Freitag: Grundlagentraining (90 Min, Zone 2)
- Samstag: Lange Ausfahrt (180-240 Min, Zone 2-3)
- Sonntag: Lockere Erholung (60-90 Min, Zone 1-2)
Trainingsarten im Detail
Grundlagenausdauertraining
Das Grundlagenausdauertraining (GA) bildet die Basis für alle anderen Trainingsformen und sollte 70-80% des Gesamtumfangs ausmachen.
Vorteile des GA-Trainings:
- Verbesserte Fettverbrennung
- Ökonomisierung des Herz-Kreislauf-Systems
- Erhöhte Kapillarisierung der Muskulatur
- Stärkung des Immunsystems
- Optimale Regeneration
Intervalltraining
Intervalltraining wechselt zwischen hochintensiven Belastungsphasen und Erholungsphasen. Es ist hocheffektiv, aber auch belastend.
Klassische Intervallformen:
Tempodauerläufe
Tempodauerläufe werden im Bereich der anaeroben Schwelle gefahren (Zone 3-4). Sie sind besonders effektiv zur Steigerung der Wettkampfleistung.
Tempodauer-Varianten:
- 2x20 Minuten mit 10 Minuten Pause
- 3x15 Minuten mit 5 Minuten Pause
- 1x40-60 Minuten durchgehend
Regeneration und Erholung
Regeneration ist genauso wichtig wie das Training selbst. Ohne ausreichende Erholung findet keine Leistungssteigerung statt.
Regenerationsmaßnahmen
- 7-9 Stunden Schlaf pro Nacht
- Aktive Erholung durch lockere Ausfahrten
- Ausreichende Proteinzufuhr (1,6-2,2g pro kg Körpergewicht)
- Kohlenhydrat-Auffüllung nach intensiven Einheiten
- Massage und Faszientraining
- Stretching und Mobilität
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr (3-4 Liter täglich)
- Regelmäßige Trainingspausen (alle 3-4 Wochen reduzierte Woche)
Anzeichen von Übertraining
Warnsignale beachten:
- Anhaltend erhöhter Ruhepuls (5-10 Schläge über Normal)
- Schlechte Schlafqualität
- Gereiztheit und Motivationsverlust
- Erhöhte Infektanfälligkeit
- Leistungsabfall trotz Training
- Schwere Beine und anhaltende Müdigkeit
Krafttraining für Radfahrer
Krafttraining ergänzt das Radtraining optimal und beugt muskulären Dysbalancen vor. Besonders in der Vorbereitungsphase sollte 1-2x wöchentlich Krafttraining eingeplant werden.
Wichtige Kraftübungen
Unterkörper:
- Kniebeugen (klassisch und einbeinig)
- Ausfallschritte
- Kreuzheben
- Beinpresse
- Wadenheben
Rumpf und Stabilisation:
- Planks (Unterarmstütz)
- Seitstütz
- Rückenstrecker
- Crunches
- Bird-Dog
Oberkörper:
- Liegestütze
- Klimmzüge
- Rudern
- Schulterdrücken
Trainingssteuerung und Messwerte
Moderne Trainingssteuerung nutzt objektive Messwerte zur Optimierung der Trainingsbelastung.
Funktionale Schwellenleistung (FTP)
Die FTP ist die höchste Leistung, die ein Radfahrer über eine Stunde aufrechterhalten kann. Sie dient als Referenzwert für die Trainingssteuerung.
FTP-Test Durchführung:
- 20 Minuten Aufwärmen mit steigender Intensität
- 5 Minuten maximale Belastung
- 10 Minuten lockeres Ausfahren
- 20 Minuten FTP-Test (maximale Durchschnittsleistung)
- 10 Minuten Ausfahren
- FTP = 95% der 20-Minuten-Durchschnittsleistung
Leistungszonen basierend auf FTP
Trainingsdokumentation und Analyse
Systematische Trainingsdokumentation ermöglicht gezielte Anpassungen und zeigt Fortschritte auf.
Wichtige Kennzahlen dokumentieren:
- Trainingsdauer und -distanz
- Durchschnitts- und Maximalleistung
- Herzfrequenzdaten
- Subjektives Belastungsempfinden (1-10 Skala)
- Wetter- und Streckenbedingungen
- Befinden vor/nach dem Training
Training Stress Score (TSS)
Der TSS quantifiziert die Trainingsbelastung unter Berücksichtigung von Intensität und Dauer.
TSS-Richtwerte:
- Unter 150: Niedrige Belastung
- 150-300: Mittlere Belastung
- 300-450: Hohe Belastung
- Über 450: Sehr hohe Belastung
Ernährung im Training
Die richtige Ernährung unterstützt das Training und beschleunigt die Regeneration.
Kohlenhydratbedarf
Letzte Aktualisierung: 21. Oktober 2025