Auffaellige Profile

Ein auffaelliges Profil im Athlete Biological Passport (ABP) entsteht, wenn die statistische Auswertung wiederholter Blut- oder Urinproben zeigt, dass die gemessenen biologischen Marker nicht mehr zum individuellen Langzeitprofil eines Athleten passen. Im Radsport ist dieser Befund kein automatischer Dopingnachweis – er ist jedoch der zentrale Ausloeser fuer vertiefte Untersuchungen, gezielte Nachkontrollen und in schweren Faellen fuer Disziplinarverfahren.

Waehrend klassische Testverfahren auf den direkten Nachweis verbotener Substanzen in einer Einzelprobe abzielen, arbeitet der Biologische Pass mit Wahrscheinlichkeiten, Trendlinien und Vergleichswerten. Die Funktionsweise des Systems liefert das technische Fundament; auffaellige Profile sind das praktische Ergebnis dieser Langzeitueberwachung.

Was bedeutet „auffaellig“ im Biologischen Pass?

Im Anti-Doping-Jargon unterscheidet man zwischen einem normalen Profil, einem auffaelligen Profil (Atypical Passport Finding, APF) und in seltenen Faellen einem abweichenden Profil (Adverse Passport Finding, AAF). Die Begriffe klingen aehnlich, haben aber unterschiedliche rechtliche und sportmedizinische Konsequenzen.

Atypical Passport Finding (APF)

Ein APF signalisiert: Die gemessenen Werte weichen statistisch vom bisherigen Athletenprofil ab, liegen aber noch nicht so extrem, dass unmittelbar von einer Manipulation ausgegangen werden muss. Typische Ausloeser sind:

  • Ungewoehnliche Schwankungen von Haemoglobin, Haematokrit oder Retikulozyten
  • Auffaellige OFF-Score-Kurven ohne plausible Trainings- oder Hoehenlager-Erklaerung
  • Steroid-Profil-Veraenderungen im urinbasierten Modul

Bei einem APF folgen in der Regel zusaetzliche Kontrollen, eine Anfrage nach medizinischen Erklaerungen und eine erneute statistische Bewertung durch das WADA-Expert Panel.

Adverse Passport Finding (AAF)

Ein AAF ist der schwerwiegendere Befund. Hier kommt das Expert Panel zu dem Schluss, dass die Abweichung mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht allein durch natuerliche Schwankungen, Krankheit oder erlaubte Therapien erklaert werden kann. Ein AAF kann die Grundlage fuer ein Disziplinarverfahren sein – auch ohne positiven Einzeltest auf EPO, Testosteron oder andere verbotene Substanzen.

Wichtig: Ein auffaelliges Profil ist kein automatisches Schuldanerkennis. Der Athlet hat das Recht, medizinische Unterlagen einzureichen; das Expert Panel muss alternative Erklaerungen pruefen, bevor ein Verfahren eingeleitet wird.

Zentrale Marker fuer auffaellige hematologische Profile

Das hematologische Modul ist im Radsport am haeufigsten relevant, weil Blutdoping und EPO-Missbrauch historisch die groessten Integritaetsrisiken darstellten – sichtbar auch in den grossen Dopingskandalen der 1990er und 2000er Jahre.

OFF-Score als Fruehwarnsystem

Der OFF-Score kombiniert Haemoglobin- und Retikulozytenwerte in einem einzigen Index. Er reagiert besonders sensitiv auf kurzfristige Blutmanipulationen:

  1. Nach EPO-Gabe: Retikulozyten steigen, Hb steigt verzoegert – charakteristisches Muster
  2. Nach autologer Transfusion: Hb springt, Retikulozyten fallen oft untypisch
  3. Nach Absetzen von EPO: Retikulozyten sinken abrupt, waehrend Hb noch erhoeht sein kann

Ein OFF-Score ausserhalb des individuellen Referenzbandes ist einer der haeufigsten Gruende fuer ein APF im Profiradsport.

Haematokrit und Haemoglobin-Grenzen

Neben der statistischen Profilauswertung gelten bei UCI-Rennen weiterhin absolute Grenzwerte (historisch etwa 50 % Haematokrit bei Maennern als Startverbot-Schwelle). Ein Profil kann auffaellig sein, ohne dass der Athlet an einem Renntag gesperrt wird – und umgekehrt kann ein Grenzwert ueberschritten sein, ohne dass das Langzeitprofil bereits als APF markiert ist.

Marker
Typische Normalrange (individuell)
Verdaechtiges Muster
Moegliche natuerliche Erklaerung
Haemoglobin (Hb)
130–180 g/l (maennlich, variabel)
Ploetzlicher Sprung um mehr als 1–2 g/l
Hoehentraining, Dehydrierung, TUE
Haematokrit (Hct)
38–48 % (typisch, individuell)
Stufenfoermiger Anstieg ohne Hoehenphase
Langzeit-Hoehenlager, Erkrankung
Retikulozyten (RET%)
0,5–2,0 % (grob)
Extreme Gegenlaeufigkeit zu Hb
Blutverlust, Eisenmangel, Infekt
OFF-Score
Individuelles Referenzband
Wiederholte Werte ausserhalb des Bandes
Selten; meist vertiefte Pruefung noetig

Steroid-Modul: Auffaelligkeiten im Hormonprofil

Das steroidale Modul wertet Urinproben ueber Monate aus. Auffaellige Profile entstehen hier oft subtiler als im Blutbild:

  • T/E-Verhaeltnis (Testosteron zu Epitestosteron) ausserhalb des individuellen Profils
  • Veraenderungen bei Steroid-Metaboliten, die auf exogene Zufuhr hindeuten
  • Isotopen-Verhaeltnisse, die synthetisches Testosteron von koerperlichem unterscheiden

Profilabweichungen im Steroid-Modul fuehrten in der Vergangenheit zu Verfahren, die ohne klassischen Positivtest auskamen – ein Paradigmenwechsel, den der WADA-Code seit 2014 rechtlich absichert.

Der Auswertungsprozess: Von der Probe zum Befund

Von der Blutprobe zum APF/AAF – 7 Schritte:

  1. Entnahme (In-/Out-of-Competition)
  2. Laboranalyse (akkreditiert)
  3. Upload in ADAMS
  4. Statistische Profilberechnung
  5. Vorpruefung durch Passport Management Unit
  6. WADA Expert Panel Review
  7. Mitteilung APF oder AAF an Anti-Doping-Organisation

Schritt 1: Probenentnahme und Qualitaetssicherung

Proben muessen nach standardisierten Testverfahren entnommen werden. Fehler bei Lagerung, Transport oder Analyse koennen Profile verfaelschen – deshalb gibt es strenge Kettenkontrollen und B-Proben.

Schritt 2: Statistische Modellierung

Jeder Athlet erhaelt ein individuelles Referenzband, nicht nur einen globalen Normwert. Das System beruecksichtigt:

  • Anzahl und Frequenz bisheriger Proben
  • Saisonalitaet und Trainingsperioden
  • Natuerliche biologische Variabilitaet

Je mehr valide Proben vorliegen, desto praeziser wird das Profil – und desto aussagekraeftiger wird eine Abweichung.

Schritt 3: Expert Panel und Athletenanhoerung

Das WADA Athlete Passport Management Unit (APMU) und unabhaengige Experten bewerten auffaellige Profile. Athleten koennen aerztliche Unterlagen, Hoehenlager-Nachweise oder Therapeutische Ausnahmegenehmigungen (TUE) einreichen.

Konsequenzen fuer Radsportler

Die rechtlichen und sportlichen Folgen haengen vom Schweregrad des Befunds ab:

Moegliche Massnahmen bei APF:

  • Verdichtetes Kontrollprogramm (haeufigere unangekuendigte Tests)
  • Anforderung medizinischer Dokumentation
  • Beobachtung ueber mehrere Monate ohne oeffentliche Meldung

Moegliche Massnahmen bei AAF:

  • Einleitung eines Disziplinarverfahrens durch UCI oder nationale Anti-Doping-Agentur
  • Voruebergehende Suspendierung waehrend der Untersuchung
  • Sanktionen bis zu vier Jahre bei bestaetigter Manipulation – vergleichbar mit positiven Substanztests
Befundtyp
Statistische Schwere
Typische erste Reaktion
Oeffentliche Bekanntgabe
Normales Profil
Innerhalb Referenzband
Keine
Nein
APF (auffaellig)
Signifikante Abweichung
Nachkontrollen, Dokumentenanfrage
Selten
AAF (abweichend)
Hohe Wahrscheinlichkeit fuer Manipulation
Disziplinarverfahren
Haefig nach Anklage
Positiver Einzeltest
Substanznachweis
Sofortige temporaere Sperre
Regelmaessig

Bekannte Fallmuster im Radsport

Historisch wurden auffaellige Profile vor allem in Kontexten sichtbar, die auch in beruehmten Dopingfaellen eine Rolle spielten:

  1. Mikrodosierung von EPO – kleine Dosen, die Einzeltests umgehen, aber das Retikulozyten-Hb-Muster ueber Wochen veraendern
  2. Autologe Bluttransfusion – kein direkter Substanznachweis, aber typische Hb-Spruenge und RET%-Einbrueche
  3. Testosteron-Pflaster oder Gels – steroidale Profilabweichungen ohne klassisches T/E-Limit-Ueberschreiten
  4. Kombination mehrerer Methoden – parallele Veraenderungen in hematologischem und steroidalem Modul

Meilensteine Biologischer Pass und auffaellige Profile

2008
WADA veroeffentlicht ABP-Standards
2009
UCI fuehrt hematologisches Modul ein
2011
Erste oeffentliche Debatten ueber APF-Faelle
2014
Steroid-Modul verpflichtend
2019
Verschaerfung Expert-Panel-Verfahren
2024/2025
Hoehere Probendichte bei WorldTour-Teams

Grenzen und Kritikpunkte

Auffaellige Profile sind maechtig, aber nicht fehlerfrei. In der Fachdebatte werden folgende Punkte diskutiert:

  • Probendichte: Athleten mit wenigen Proben haben breitere Referenzbaender – auffaellige Muster sind schwerer zu erkennen
  • Individuelle Physiologie: Seltene anaemische oder polycythaemische Erkrankungen koennen Profile verzerren
  • Hoehentraining: Legale Hoehenlager koennen Werte in Richtung Doping-Muster verschieben – erfordert saubere Dokumentation
  • Rechtsstaatlichkeit: Die Beweislast und das Recht auf Anhoerung muessen gewahrt bleiben

Ein auffaelliges Profil in den Medien zu interpretieren, bevor das Expert Panel entschieden hat, schadet Athleten und Glaubwuerdigkeit des Systems gleichermassen.

Praxis: Was Teams und Athleten beachten sollten

Profis unter UCI-Lizenz sind verpflichtet, ihre Aufenthaltsdaten in ADAMS aktuell zu halten – ohne praezise Whereabouts sind gezielte unangekuendigte Kontrollen und valide Profile kaum moeglich.

Checkliste: Vorbereitung auf moegliche Profilrueckfragen

  • ✓ Alle Hoehenlager und Trainingscamps dokumentieren (Datum, Hoehe, Dauer)
  • ✓ Aerztliche Befunde bei Blutwert-Schwankungen archivieren
  • ✓ TUE-Antraege vor Medikamenteneinnahme stellen, nicht danach
  • ✓ Hydrations- und Ernaehrungsprotokolle bei ungewoehnlichen Testtagen fuehren
  • ✓ Teamarzt ueber bevorstehende Bluttests informieren
  • ✓ Rechtsberatung bei Mitteilung eines APF einholen

Tipp: Teams mit internen Blutmonitoring-Programmen (legal, ohne verbotene Methoden) erkennen natuerliche Schwankungen frueher und koennen WADA-Anfragen schneller beantworten.

Vergleich: Auffaelliges Profil vs. klassischer Positivtest

Kriterium
Auffaelliges Profil (APF/AAF)
Klassischer Positivtest
Nachweisgegenstand
Biologische Marker-Veraenderung
Verbotene Substanz in Probe
Zeitfenster
Wochen bis Monate
Stunden bis Tage (substanzabhaengig)
Typische Methode erkennbar
EPO, Transfusion, Testosteron-Missbrauch
Alle substanzbasierten Methoden
Beweisfuehrung
Statistisch-expertensbasiert
Laborchemisch, oft eindeutiger
Verteidigungsstrategie
Medizinische Alternativeerklaerung
Probenfehler, Kontaminierung, B-Probe

Kontrollintensitaet WorldTour: Geschaetzte durchschnittliche Blut- und Urinproben pro Profi und Saison liegen bei ca. 15–25 Out-of-Competition-Tests plus Renntests – mit steigendem Trend seit Einfuehrung des ABP.

Ausblick: Intelligentere Profilauswertung

Die WADA und UCI arbeiten an verfeinerten Algorithmen, die Trainingsdaten, Hoehenexposition und individuelle Genetik staerker einbeziehen sollen. Ziel ist, false positives zu reduzieren und gleichzeitig Mikrodosierungs-Strategien frueher zu erkennen. Fuer den Radsport bleibt das auffaellige Profil damit nicht nur ein technisches Detail – es ist ein zentrales Instrument, um nach den Erfahrungen aus Dopingskandalen das Vertrauen von Fans, Sponsoren und Athleten zurueckzugewinnen.

Haeufige Fragen zu auffaelligen Profilen

Ist ein APF gleichbedeutend mit Doping?

Nein. Ein APF signalisiert eine statistische Abweichung, die vertiefte Pruefung erfordert. Erst bei einem AAF oder nach erfolgreichem Disziplinarverfahren liegt ein bestätigter Verstoss vor.

Kann Hoehentraining ein auffaelliges Profil ausloesen?

Ja, legale Hoehenlager koennen Haemoglobin und Haematokrit erhoehen. Athleten sollten Aufenthalte dokumentieren; das Expert Panel prueft, ob die Muster zu Hoehentraining passen.

Wie lange dauert ein Expert-Panel-Verfahren?

Je nach Komplexitaet mehrere Wochen bis Monate – inklusive Anhoerung, medizinischer Stellungnahmen und erneuter statistischer Auswertung.

Werden auffaellige Profile oeffentlich gemacht?

APF-Befunde bleiben in der Regel vertraulich. AAF und Disziplinarverfahren werden haeufig erst nach Anklage oder Mitteilung durch die Anti-Doping-Organisation oeffentlich.

Kann man gegen einen AAF-Befund Widerspruch einlegen?

Ja. Athleten koennen vor Sportgerichtshoefen (CAS) Berufung einlegen und medizinische sowie prozessuale Einwaende vorbringen.

Häufig gestellte Fragen zu auffälligen Profilen im Biologischen Pass

Frage
Antwort
Ist ein Atypical Passport Finding (APF) gleichbedeutend mit Doping?
Nein. Ein APF signalisiert lediglich, dass gemessene Blut- oder Urinwerte statistisch vom bisherigen individuellen Athletenprofil abweichen und eine vertiefte Prüfung erforderlich ist. Es handelt sich noch nicht um den Nachweis einer Manipulation. Erst bei einem Adverse Passport Finding (AAF) oder nach einem erfolgreichen Disziplinarverfahren liegt ein bestätigter Verstoß vor. Der Athlet behält das Recht, medizinische Unterlagen einzureichen, bevor ein Verfahren eingeleitet wird.
Worin unterscheidet sich ein APF von einem AAF?
Ein APF (Atypical Passport Finding) bedeutet eine signifikante Abweichung vom individuellen Referenzband, ohne dass unmittelbar von Manipulation ausgegangen wird. Typische Folgen sind zusätzliche Kontrollen, Dokumentenanfragen und eine erneute Bewertung durch das Expert Panel – oft ohne öffentliche Meldung. Ein AAF (Adverse Passport Finding) ist der schwerwiegendere Befund: Das Expert Panel kommt zu dem Schluss, dass die Abweichung mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht allein durch natürliche Schwankungen, Krankheit oder erlaubte Therapien erklärbar ist. Ein AAF kann die Grundlage für ein Disziplinarverfahren durch UCI oder nationale Anti-Doping-Agentur sein, auch ohne positiven Einzeltest auf eine verbotene Substanz.
Welche Rolle spielt der OFF-Score bei auffälligen hämatologischen Profilen?
Der OFF-Score kombiniert Hämoglobin- und Retikulozytenwerte in einem Index und reagiert besonders sensitiv auf kurzfristige Blutmanipulationen. Nach EPO-Gabe steigen Retikulozyten typischerweise zuerst, während Hämoglobin verzögert folgt; nach autologer Transfusion springt oft das Hämoglobin, während Retikulozyten untypisch fallen. Nach dem Absetzen von EPO können Retikulozyten abrupt sinken, während Hämoglobin noch erhöht bleibt. Ein OFF-Score außerhalb des individuellen Referenzbandes zählt im Profiradsport zu den häufigsten Auslösern für ein APF.
Kann legales Höhentraining ein auffälliges Profil auslösen?
Ja. Legale Höhenlager können Hämoglobin und Hämatokrit erhöhen und Werte in Richtung von Mustern verschieben, die auch bei Doping vorkommen. Deshalb ist eine saubere Dokumentation von Datum, Höhe und Dauer der Aufenthalte zentral. Das Expert Panel prüft, ob die beobachteten Muster zu Höhentraining passen oder ob alternative Erklärungen fehlen. Teams und Athleten sollten Höhenlager und Trainingscamps deshalb systematisch archivieren, um bei Profilrückfragen schnell und nachvollziehbar antworten zu können.
Welche Konsequenzen drohen Radsportlern bei APF und AAF?
Bei einem APF folgen typischerweise ein verdichtetes Kontrollprogramm mit häufigeren unangekündigten Tests, die Anforderung medizinischer Dokumentation und eine Beobachtung über mehrere Monate, oft ohne öffentliche Bekanntgabe. Bei einem AAF kann die UCI oder eine nationale Anti-Doping-Agentur ein Disziplinarverfahren einleiten; während der Untersuchung ist eine vorübergehende Suspendierung möglich. Bei bestätigter Manipulation drohen Sanktionen bis zu vier Jahren – vergleichbar mit positiven Substanztests. Die Schwere der Maßnahmen hängt also klar vom Befundtyp und vom Ergebnis der Expert-Bewertung ab.
Wie unterscheidet sich ein auffälliges Profil von einem klassischen Positivtest?
Beim auffälligen Profil geht es um Veränderungen biologischer Marker über Wochen bis Monate; die Beweisführung ist statistisch und expertengestützt. Ein klassischer Positivtest weist eine verbotene Substanz in einer Einzelprobe nach, oft in einem Zeitfenster von Stunden bis Tagen, und ist laborchemisch häufig eindeutiger. Über das Profil lassen sich insbesondere Methoden wie EPO-Mikrodosierung, autologe Transfusion oder bestimmter Testosteron-Missbrauch erkennen, die Einzeltests umgehen können. Verteidigungsstrategien zielen beim Profil vor allem auf medizinische Alternativerklärungen, beim Positivtest eher auf Probenfehler, Kontaminierung oder die B-Probe.
Wie läuft die Auswertung vom Probenzug bis zum APF oder AAF ab?
Der Weg umfasst sieben Schritte: Entnahme in oder außerhalb des Wettbewerbs, Analyse in einem akkreditierten Labor, Upload in ADAMS, statistische Profilberechnung, Vorprüfung durch die Passport Management Unit, Review durch das WADA Expert Panel und Mitteilung von APF oder AAF an die Anti-Doping-Organisation. Jeder Athlet erhält ein individuelles Referenzband, das Probendichte, Saisonalität und natürliche Variabilität berücksichtigt. Athleten können ärztliche Befunde, Höhenlager-Nachweise oder therapeutische Ausnahmegenehmigungen (TUE) einreichen. Die Dauer des Expert-Panel-Verfahrens liegt je nach Komplexität bei mehreren Wochen bis Monaten.