Primož Roglic
Primož Roglic zählt zu den dominanten GC-Fahrern der 2020er-Jahre und verkörpert wie kaum ein anderer das Profil eines modernen Allrounders: Er verbindet außergewöhnliche Leistungen im Einzelzeitfahren mit der Fähigkeit, an steilen Bergetappen mit den besten Bergfahrern mitzuhalten. Der Slowene, geboren am 29. Oktober 1989 in Zagorje ob Savi, startete ungewöhnlich spät in den Profiradsport – nach einer vielversprechenden Karriere als Skispringer. Heute ist er dreifacher Sieger der Vuelta a España, Gewinner des Giro d'Italia 2023 und eine der prägenden Figuren im Duell mit Tadej Pogačar und Jonas Vingegaard.
Vom Skispringer zum Radsport-Profi
Roglic wuchs in der Nähe von Ljubljana auf und galt als eines der größten Talente im slowenischen Skispringen. 2007 gewann er Gold bei den Junioren-Weltmeisterschaften in Tarvisio. Ein schwerer Sturz bei einem Weltcup-Springen 2007 beendete diese Laufbahn abrupt. Nach monatelanger Rehabilitation entdeckte Roglic den Radsport – mit 22 Jahren begann er ernsthaft zu trainieren und debütierte 2012 bei Adria Mobil als Profi.
Die ungewöhnliche Laufbahn in fünf Schritten:
- Skispringen als Junioren-Weltmeister (2007)
- Karriereende durch Sturz und lange Genesungsphase
- Später Einstieg in den Radsport ab 2011
- Profidebüt bei Adria Mobil (2012)
- Durchbruch bei Jumbo-Visma ab 2017 als GC-Kandidat
Primož Roglic – Karriere-Meilensteine
Warum der späte Einstieg kein Nachteil war
Roglic brachte aus dem Skispringen eine außergewöhnliche Körperspannung, mentale Disziplin und die Fähigkeit mit, unter Druck präzise zu bleiben. Diese Eigenschaften machen ihn besonders in Zeitfahren und bei technischen Abfahrten stark. Sein spätes Alter beim Profidebüt bedeutete zudem, dass er körperlich ausgereift in den Sport einstieg – ohne die typischen Jugendjahre im Peloton.
Wichtig
Roglic ist eines der wenigen Beispiele in der modernen Radsportgeschichte, in denen ein Spitzensportler nach einem kompletten Bruch im ersten Sport eine Grand-Tour-Karriere auf Weltklasse-Niveau aufbaut.
Grand-Tour-Erfolge und Palmares
Roglics Bilanz bei den drei großen Landesrundfahrten ist geprägt von Dominanz in Spanien und einem historischen Giro-Triumph. Die Tour de France blieb hingegen trotz mehrerer Top-Platzierungen bislang ohne Gesamtsieg.
Roglic Grand-Tour-Bilanz
Grand-Tour-Gesamtsiege
4 (3 Vuelta, 1 Giro)
Profisiege gesamt
Mehr als 30
Wochenrennen-Siege
Paris-Nice, Tirreno-Adriatico, Tour de Romandie
Tour-Podiumsplätze
Mehrfach 2. und 3.
Die Vuelta-Dominanz 2019–2021
Zwischen 2019 und 2021 gewann Roglic drei Vuelta a España in Folge – ein Leistungsblock, der ihn in die Nähe der spanischen Radsport-Legenden rückte. Entscheidend war stets die Kombination aus kontrolliertem Klettern und dominanten Zeitfahrleistungen. In der Vuelta 2020 setzte er sich im Schlusszeitfahren gegen Pogačar durch – ein Duell, das ein Jahr später bei der Tour die Rollen vertauschte.
Giro-Triumph 2023
Beim Giro d'Italia 2023 gelang Roglic der bis dahin fehlende Grand-Tour-Sieg außerhalb Spaniens. Nach engen Tagen in den Dolomiten und den Alpen entschied das abschließende Bergzeitfahren nach Monte Lussari die rosa Maglia zugunsten des Slowenen. Damit vervollständigte er sein Grand-Tour-Portfolio neben der Vuelta-Herrschaft.
Fahrprofil: Allrounder mit Zeitfahr-Dominanz
Roglics Stärke liegt in der seltenen Kombination aus TT-Leistung und Bergfähigkeit. Während reine Kletterer oft im Zeitfahren Zeit verlieren, kann Roglic dort regelmäßig Minuten gutmachen oder ausbauen. In steilen Endanstiegen erreicht er nahezu das Niveau der spezialisierten Bergfahrer – auf den härtesten HC-Rampen fehlt ihm gelegentlich die letzte Klasse gegen Pogačar.
GC-Allrounder im Vergleich
Typische Renntaktik
Roglic fährt kontrolliert-aggressiv: Sein Team setzt früh Tempo am Berg, um Angreifer zu neutralisieren. Entscheidende Sekunden holt er im Zeitfahren. Gegen Pogačar und Vingegaard versucht er, Vorsprung vor den härtesten Bergetappen aufzubauen – eine Taktik, die bei der Vuelta wiederholt aufging, bei der Tour jedoch scheiterte.
Merkmale seiner Renntaktik:
- Frühzeitige Kontrolle des Rennens durch Edelhelfer
- Maximale Zeitgewinne in allen Zeitfahretappen
- Zurückhaltende Attacke an den härtesten Tagen, dann konstantes Tempo
- Mentale Stabilität auch nach Rückschlägen und Stürzen
Rivalitäten und prägende Duelle
Die 2020er-Jahre im Radsport werden untrennbar mit dem Triell Roglic – Pogačar – Vingegaard verbunden. Alle drei Fahrer repräsentieren unterschiedliche Schwerpunkte innerhalb des GC-Spektrums.
Roglic vs. Pogačar
Bei der Vuelta 2020 dominierte Roglic das Zeitfahren und schlug Pogačar in der Gesamtwertung. Ein Jahr später kehrte sich das Bild bei der Tour de France um: Pogačar attackierte an der berühmten Penultimate-Etappe nach La Planche des Belles Filles und holte das Gelbe Trikot im Schlusszeitfahren. Die Duelle zwischen den beiden Slowenen faszinierten ein ganzes Land und machten den slowenischen Radsport weltweit sichtbar.
Roglic vs. Vingegaard
Ab 2022 übernahm der Däne Jonas Vingegaard die Rolle des Hauptkonkurrenten. Bei der Tour 2022 und 2023 setzte sich Vingegaard in den Pyrenäen und Alpen durch. Roglic blieb zweiter oder verlor Zeit nach Stürzen – dennoch bewies er immer wieder die Fähigkeit, nach Rückschlägen zurückzukommen.
Grand-Tour-Strategie Roglic
- Frühzeitige Etappensiege sichern
- Zeitfahren dominieren
- Bergetappen kontrollieren
- Konkurrenten unter Druck setzen
- Gesamtwertung verteidigen
Teams und Wechsel 2025
Roglic prägte über Jahre das niederländische Team Jumbo-Visma (später Visma-Lease a Bike) als Kapitän und Gesicht der Mannschaft. Zahlreiche Edelhelfer wie Sepp Kuss, Steven Kruijswijk und Wout van Aert unterstützten seine Grand-Tour-Kampagnen. Für die Saison 2025 wechselte Roglic zu Red Bull-Bora-Hansgrohe – ein Transfer, der das Kräfteverhältnis im WorldTour-Peloton neu ordnete.
Checkliste: Was Roglic zu einem Team bringt
- Bewährte Grand-Tour-Erfahrung als Kapitän
- Dominante Zeitfahrleistung als taktischer Hebel
- Mentale Stärke nach Karrierewechsel und Rückschlägen
- Internationale Medienpräsenz, besonders in Slowenien
- Vorbildfunktion für athletische Vielseitigkeit
Tipp
Teams, die Roglic als Kapitän setzen, profitieren besonders auf Streckenprofilen mit mindestens zwei Zeitfahretappen und moderaten, aber langen Bergetappen – das Vuelta-Profil ist sein ideales Terrain.
Stürze, Rückschläge und Comebacks
Roglics Karriere ist nicht nur Erfolg, sondern auch Widerstandsfähigkeit. Mehrfach verlor er Grand Tours durch Stürze oder unglückliche Tage in den Bergen. Besonders schmerzhaft: das Ausscheiden bei der Tour 2024 nach einem Sturz in der ersten Woche, obwohl er zuvor eine spektakuläre Etappe aus dem Ausreißer gewonnen hatte.
Stürze in den ersten beiden Renntwochen haben bei Roglic wiederholt Grand-Tour-Kampagnen gefährdet. Sein Team setzt deshalb verstärkt auf Positionierungsschutz und vorsichtige Abfahrten in der Anfangsphase.
Dennoch kehrte er nach jedem schweren Rückschlag zurück und gewann erneut Etappen oder Wochenrennen. Diese Resilienz – geprägt durch den Bruch im Skispringen – gilt als eine seiner größten Stärken.
Bedeutung für den slowenischen Radsport
Neben Pogačar hat Roglic den slowenischen Radsport auf die Weltkarte gesetzt. Beide Fahrer gewannen Grand Tours, olympische Medaillen und zahlreiche WorldTour-Rennen. In Slowenien löste der Erfolg beider eine regelrechte Radsport-Begeisterung aus – vergleichbar mit dem norwegischen Langlauf-Boom oder dem kolumbianischen Kletterer-Phänomen.
Was Roglic von anderen Allroundern unterscheidet
Im Vergleich zu historischen Allroundern wie Greg Lemond fehlt Roglic bislang der Tour-Sieg – dafür dominierte er die Vuelta wie wenige andere. Roglics Zeitfahrstärke unterscheidet ihn von reinen Kletterern; gegenüber Vingegaard und Pogačar bringt er mehr Grand-Tour-Erfahrung mit.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie viele Grand Tours hat Roglic gewonnen?
Vier (3× Vuelta, 1× Giro)
War Roglic wirklich Skispringer?
Ja, Junioren-Weltmeister 2007
Warum hat er die Tour noch nicht gewonnen?
Mehrfach knapp hinter Pogačar und Vingegaard, dazu Stürze
Bei welchem Team fährt er 2025?
Red Bull-Bora-Hansgrohe
Was ist seine größte Stärke?
Kombination aus Zeitfahren und Bergfahren
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Letzte Aktualisierung: 3. Juli 2026